- Zinseszins entsteht nur, wenn gutgeschriebene Zinsen weiter angelegt und verzinst werden.
- Der Zeitpunkt der Gutschrift beeinflusst den Effekt; ein Monatszins ist nicht der volle Jahreszins.
- Für die Kaufkraft zählt die Verzinsung nach Steuer im Verhältnis zur Inflation.
Wie Zinsen selbst zu Kapital werden
Legen Sie 10.000 Euro zu einem konstanten Jahreszins von 2 % an, entstehen im ersten Jahr ohne Steuer 200 Euro Zinsen. Bleiben diese auf dem Konto und werden im Folgejahr mitverzinst, beträgt die Basis dann 10.200 Euro. Im zweiten Jahr entstehen dadurch 204 Euro statt 200 Euro Zinsen. Die zusätzlichen vier Euro sind der Zinseszinseffekt.
Über längere Zeiträume kann sich dieser Unterschied vergrößern. Dafür müssen aber mehrere Annahmen erfüllt sein: Die Zinsen bleiben angelegt, der unterstellte Zinssatz wird tatsächlich erzielt und es erfolgen keine Entnahmen. Bei variablem Tagesgeld ist vor allem der konstante Zins über viele Jahre eine Modellannahme und keine Zusage.
Mitverzinsung wirkt allmählich
10.000 € zu 2 % p.a. über fünf Jahre, vor Steuer.
Werte als Tabelle anzeigen
| Zeitraum / Kategorie | Mit jährlichem Zinseszins (€ Zinsen) | Ohne Zinseszins (€ Zinsen) |
|---|---|---|
| Start | 0 | 0 |
| Jahr 1 | 200 | 200 |
| Jahr 2 | 404 | 400 |
| Jahr 3 | 612,08 | 600 |
| Jahr 4 | 824,32 | 800 |
| Jahr 5 | 1 040,81 | 1 000 |
Für die nächste Zinsrunde zählt der verbleibende Betrag
Wird Steuer bei der Zinsgutschrift einbehalten, bleibt weniger Geld für die Wiederanlage übrig. Bei 10.000 Euro, 2 % Jahreszins und modellhaft 25 % Steuer werden aus 200 Euro Bruttozinsen 150 Euro, die das Guthaben erhöhen. Für die nächste jährliche Zinsrunde stehen dann 10.150 Euro zur Verfügung.
In einem vereinfachten Modell mit jährlicher Nettogutschrift lässt sich der Kontostand daher mit 10.000 × 1,015 hoch Anzahl der Jahre berechnen. Diese Rechnung ist etwas anderes als zunächst fünf Jahre brutto aufzuzinsen und erst am Schluss pauschal Steuer abzuziehen. Zeitpunkt und Art der tatsächlichen Steuerabwicklung können die Ergebnisse beeinflussen.
| Zeitpunkt | Guthaben nach Steuer* | Davon kumulierte Nettozinsen |
|---|---|---|
| Ende Jahr 1 | 10 150,00 € | 150,00 € |
| Ende Jahr 2 | 10 302,25 € | 302,25 € |
| Ende Jahr 3 | 10 456,78 € | 456,78 € |
| Ende Jahr 4 | 10 613,64 € | 613,64 € |
| Ende Jahr 5 | 10 772,84 € | 772,84 € |
Quellen: BMF: Einkünfte aus Kapitalvermögen ↗
Was monatliche statt jährlicher Gutschrift verändert
Wenn Zinsen früher gutgeschrieben und anschließend mitverzinst werden, können sie etwas früher zusätzlichen Ertrag bringen. Bei identischem nominalem Jahreszinssatz fällt der Zinseszinseffekt mit monatlicher Gutschrift daher geringfügig anders aus als mit jährlicher Gutschrift. Für den Vergleich bleibt aber der nominale Zins eine wichtige Größe.
Ein niedrigerer Zinssatz wird nicht automatisch durch häufigere Gutschriften besser. Auf 10.000 Euro beträgt der Unterschied zwischen jährlicher und monatlicher Gutschrift bei 2 % p.a. und 25 % Steuer im vereinfachten Jahresmodell rund 1,04 Euro netto. Ein Zinsunterschied von 0,5 Prozentpunkten entspräche dagegen 37,50 Euro netto ohne Zinseszins. Größenordnungen helfen, Werbung sinnvoll einzuordnen.
Ein wachsender Kontostand kann an Kaufkraft verlieren
Inflation bedeutet, dass das allgemeine Preisniveau steigt. Wenn Ihre Ersparnisse langsamer wachsen als die Preise, können Sie sich trotz höherem Kontostand weniger leisten. Für eine sachliche Betrachtung sind deshalb die Nettorendite und die Preisentwicklung gemeinsam wichtig.
Bei 2 % Bruttozins und 25 % Steuer bleiben im einfachen Jahresmodell 1,5 % netto. Steigen die Preise im selben Zeitraum um 3 %, beträgt die reale Veränderung etwa −1,46 %: 1,015 / 1,03 − 1. Die häufig verwendete Differenz „Nettozins minus Inflation“ ist eine Näherung. Die Quotientenrechnung berücksichtigt den Zusammenhang genauer.
Kontostand und Kaufkraft sind zwei Größen
10.000 € Startguthaben, konstant 1,5 % Nettozins und 3 % Inflation im Modell.
Werte als Tabelle anzeigen
| Zeitraum / Kategorie | Nominaler Kontostand (€) | Kaufkraft in heutigen Euro (€) |
|---|---|---|
| Start | 10 000 | 10 000 |
| Jahr 1 | 10 150 | 9 854,37 |
| Jahr 2 | 10 302,25 | 9 710,86 |
| Jahr 3 | 10 456,78 | 9 569,44 |
| Jahr 4 | 10 613,64 | 9 430,08 |
| Jahr 5 | 10 772,84 | 9 292,75 |
Warum eine liquide Rücklage trotzdem ihre Aufgabe erfüllen kann
Eine Notreserve muss kurzfristige Ausgaben abdecken können. Sie hat damit einen anderen Zweck als eine langfristige Anlage, bei der größere Schwankungen möglicherweise in Kauf genommen werden. Ein negativer Realzins allein beantwortet daher nicht, ob Tagesgeld für diesen Geldtopf ungeeignet ist.
Sinnvoll ist, Kosten und Kaufkraftverlust bewusst zu begrenzen, ohne den Zweck der Reserve zu verlieren. Dazu gehören ein angemessener Zinssatz, passende Kontobedingungen und eine Zielhöhe, die nicht unnötig weit über dem eigenen Bedarf liegt. Langfristig nicht benötigte Mittel können Sie anschließend getrennt beurteilen.
- Zins und Gutschriftintervall gemeinsam betrachten.
- Steuerabzug vor einer mehrjährigen Wiederanlagerechnung berücksichtigen.
- Variable Zinsen nicht als jahrelang zugesichert behandeln.
- Nominalen Kontostand und Kaufkraft getrennt ausweisen.
- Für jeden Geldtopf zuerst Zweck und Zeitbedarf festlegen.
Häufige Fragen
Quellen & Einordnung
Quellen: BMF: Einkünfte aus Kapitalvermögen ↗ · Santander: Fragen zu Tagesgeld und Festgeld ↗ · OeNB: Wirkung der Geldpolitik ↗
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